Und so stehe ich am Bebelplatz für meine Platzkarte an und lese Konsumrebellen, während die Fashionistas auf ihren iPhones herumtippen. Und es funktioniert einfach nicht. Irgendwo geht auf halber Strecke die Identität verloren und wir jagen uns bei Gelegenheit eine Schrotkugel in den Kopf.
Der Gedanke der Gegenkultur beruht auf einer falschen Gesellschaftstheorie, heißt es. “Wir leben nicht in der Matrix, und wir leben nicht im Spektakel. Die Welt, in der wir leben, ist viel unspektakulärer. Sie besteht aus Milliarden von Menschen, die jeweils einem mehr oder minder plausiblen Begriff des Guten folgen, die miteinander zu kooperieren versuchen und dies mehr oder weniger erfolgreich tun. Es gibt kein übergreifendes System, das alles integriert. Die Kultur lässt sich nicht unterlaufen, weil es “die Kultur” oder “das System” gar nicht gibt. Es gibt nur eine Fülle von gesellschaftlichen Institutionen, bunt zusammengewürfelt, um die Vorteile und Lasten gesellschaftlicher Kooperation aufzuteilen (…).”
Es ist also alles einfach ganz undramatisch und im Extremfall jeder seine eigene “gesellschaftliche Institution”. Irgendwie auch furchtbar langweilig, wenn die Rebellion sich in Schall und Rauch auflöst und Lady Gaga über Kurt Cobain siegt.
