Als frei denkender Mensch steht man grundsätzlich vor dem Problem, welche Messlatte anzulegen sei bei Events, wie die jüngst in Berlin von Mercedes Benz vom 15. bis 17.07. veranstaltete „Transmission 1“. Unter der Kuratorenschaft von Raf Simons stellten handverlesene Designer, Musiker, Künstler, Blogger und Tänzer ihr Können zur Schau, darunter Peter Saville, der durch die Gestaltung von Album Covern für Joy Division, OMD und New Order bekannt wurde, Konstantin Gricic, Produktdesigner aus München, der Choreograph Michael Clark, die Künstlerin Germaine Kruip und Bands wie These New Puritans.
Und so fand sich alles ein, was Rang und Namen hatte. Etablierte, sowie junge Avantgarde nahm sich eine Woche nach Ende der Berliner Fashionweek nocheinmal Zeit für drei Tage straffes Programm, bestehend aus Konzerten, Filmvorführungen, Symposien und Live-Blogging Events im Berliner BCC.
Sind Veranstaltungen wie „Transmission 1“ in eine eigene Kategorie zu stecken oder gilt es sie in Konkurrenz zu wahrer Avantgarde zu beurteilen. Doch was ist das überhaupt, „wahre Avantgarde“?
Man kann nicht wirklich behaupten es gäbe zu wenig Modedesigner. Jahr für Jahr entlassen Modeschulen tausende junger Designer in einen internationalen Markt, auf dem sie sich mal besser mal schlechter zurechtfinden. Der Weg an die Spitze eines großen Modehauses ist lang, steinig und hart und gelingt den meisten ebenso wenig wie die Etablierung eines eigenen Labels.
Marc Jacobs gehört bekanntermaßen zu jenen, die es geschafft haben. Seit 1997 ist er nicht nur verantwortlich für Louis Vuittons Prêt-à-Porter Linie, sondern steht auch erfolgreich hinter seinem eigenen Label – ein Erfolgscocktail, der nicht Wenigen Vorbild sein dürfte. Dabei war es, eigenen Aussagen zufolge, neben seinem Talent, harter Arbeit und einer gehörigen Portion Glück auch die erfolgreiche Teilnahme an zahlreichen Wettbewerben, die sein Erklimmen der Karriereleiter begleiteten.
Ob den Teilnehmern des Designer for Tomorrow Awards, den das Düsseldorfer Modehaus Peek&Cloppenburg einmal jährlich im Rahmen der Berliner Fashion Week ausschreibt, das gleiche Schicksal blüht, wird sich zeigen. Dass diesmal Marc Jacobs als Schirmherr mit von der Partie gewesen ist, mag die Entwicklung begünstigen, mehr internationales Flair bereitete es der Veranstaltung in jedem Fall…
…zur Berliner Modewoche schreibt Timo in der taz. Da steht dann sowas wie: Auch hier führt man Gespräche, die auf Originaltexten deutscher Internetforen basieren, auch hier sieht man seine Seele am blinden Fleck des sozialen Orkans erodieren. Ein aufgebrachter Idiot versucht die Meute zu überzeugen, warum wir nicht preisgeben dürfen, was über Jahrtausende zum Maßstab der Zivilisation geworden ist. Jemand antwortet dem Schwachsinnigen trocken, dass er sein bald erscheinendes Album “I’m Gay” nennen wird, einfach aus dem Grund, weil er nicht schwul ist. Alles wird gut, und alles wird anders sein. Ja….
Zum Foto: Ich hoffe Cherry Merpe wird es mir verzeihen, dass ich ihr das Foto klaute, es passte einfach zu gut und zum Nachfragen fehlte die Muße. Beide, Timo und Mary haben übrigens für einen Beitrag zum aktuellen Zitty Modeheft kooperiert.
Alles neu macht der Mai und im Juni kann man dann die Früchte ernten, oder so ähnlich… Jedenfalls eröffnet morgen der neue JULIAANDBEN Laden in der Gormannstraße 23 und ich übertreibe sicher nicht wenn ich behaupte, dass es einer der schönsten Läden Berlins ist. Es wird voll, es wird feucht, es wird gut und ich habe schon ein bisschen ein schlechtes Gewissen, jetzt hier nochmal darauf hinzuweisen, weil Julia Angst hat, dass es zu voll, zu feucht und zu gut wird. We will see…
Die Frage, wo die Grenze zu ziehen ist, zwischen Kunst, Design und Handwerk Leben, Mode und Kunst versuche ich heute in Kreuzberg zu klären im Gespräch mit Boris Bidjan Saberi. Die Antwort wird dann bald publiziert. Wo, verrate ich wenn es soweit ist.
Julia hat mich fotografiert. Warum, verrate ich später. Natascha weiß es schon. Was ich da gerade mit der Hand mache? Darüber könnte man mal nachdenken… Das rechts auf dem Fensterbrett ist übrigens eine Anordnung von Kronkorken. Allerdings nicht von mir. Die war da schon so da.