Archiv für die Kategorie „Kritik“

Ein paar Gedanken:
Uta von Naumburg und die Frauenquote

Samstag, 26. Februar 2011

Uta von Naumburg ist meine Person des Tages. Bei fortschreitender Lektüre Judith Butlers “Das Unbehagen der Geschlechter” starte ich den Versuch, Geschlechterkategorisierungen aus meinem Wortschatz zu streichen. Ich als Gegnerin der Frauenquote. Wozu eine Quote für etwas, das nicht existiert? Daher gibt es hier auch keine “Frau des Tages”, sondern eine “Person des Tages” und die ist weiblichen Geschlechts, das ist anzunehmen, weil sie – wie es der Zufall wollte – den austragenden Teil der Anatomie  – so mag man meinen – abbekommen hat, was sie nicht automatisch zu einer “Frau” macht, wie Simone de Beauvoir in “Das andere Geschlecht: Sitte und Sexus der Frau” behaupten würde.

(Jedenfalls ist besagte Uta noch bis morgen im Naumburger Dom von Angesicht zu Angesicht betrachtbar, sonst kann man das nämlich nur von unten, aus 3m Entfernung und das ist nicht das gleiche Seherlebnis, wie auch Alexander Cammann in der aktuellen ZEIT findet, in der er ihr, der Uta, einen offenen Brief schreibt um sein Angetansein kundzutun).

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Die Obsoleszenz der Dinge.

Donnerstag, 17. Februar 2011

(Das Video ist leider nicht länger verfügbar)

Unter Obsoleszenz versteht man im übrigen die künstliche oder natürliche Veralterung eines Produkts. Die meisten der Produkte, die wir täglich nutzen sind per se nicht auf den ewigen Gebrauch angelegt. Viele funktionieren viel weniger lang als sie könnten. Das bekannteste Beispiel dafür ist die Glühbirne. Vorgestern lief auf arte im Abendprogramm eine Dokumentation, die sich mit der Obsoleszenz der Dinge beschäftigt und darüber aufklärte, dass diese, war sie einmal als Motor der Wirtschaft gedacht, in Zeiten knapper werdender natürlicher Ressourcen immer unzeitgemäßer wird. Warum geht ein Drucker nach einer bestimmten Anzahl gedruckter Blätter kaputt, warum kaufen wir dann einen neuen und lassen den alten nicht reparieren? Warum denken wir, immer etwas Neueres, Besseres, Tolleres haben zu müssen?

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Rodarte AW2011/2012…
“getting savvier about the business end”

Mittwoch, 16. Februar 2011


credit: catwalking

Aus New York gibt es nicht viel zu berichten -  erwähnte ich mal, dass die Mercedes Benz Fashionweek New York für mich in etwa das gleiche ist wie die Mercedes Benz Fashionweek in Berlin, einfach nur ein  paar Jahre älter und etablierter. Das große Vorbild, an Langweiligkeit und Kommerzialität kaum zu überbieten. Ich möchte das nicht mit “schlecht” gleichsetzen. Langweilig und kommerziell ist es ganz einfach und einzig die Show von Rodarte erwarte ich immer sehnsüchtig.
Gestern Nacht nun konnte ich die ersten Bilder sehen und bin – nunja – enttäuscht und falle wohl genau in die Menge der Menschen, von denen Nicole Phelps von Style.com befürchtete, dass sie enttäuscht sein könnten: “Will these clothes, with their countrified starting points, entrance the label’s clientele of urban sophisticates the way previous collections have?” Sie behauptet zwar “yes”, ich bleibe aber bei “no”.

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“Ich bin okay – Du bist okay.”
Vom deutschen Film und der deutschen Mode

Samstag, 12. Februar 2011


links Kilian Kerner. rechts Til Schweiger

In der FAS von letztem Sonntag widmen sich Peter Körte, Claudius Seidl und Harald Staun mithilfe ausgewählter Größen des deutschen Filmsystems auf zwei Feuilleton-Seiten dem Stand des Deutschen Films. Dabei leitete sie die Frage, woran es liegt, “dass das deutsche Kino so reich ist an Talenten und Könnern und so arm an guten Filmen?”. So kurz vor der Berlinale, die vor wenigen Tagen eröffnet wurde, ist das natürlich eine berechtigte Frage. Auch sonst wohl. Ich frage mich nur, warum es bisher vor keiner der (Berliner) Modewochen eine ähnliche Überschau im Feuilleton einer deutschen Zeitung gegeben hat (warum Ricarda Landgrebe für ihre nicht völlig unwahren Aussagen im Spiegel auseinandergenommen wurde)  – vor allem auch, weil sich signifikante Parallelen beider Industrien ausmachen lassen. So könnte man “Das System” auch als eine Standortbestimmung der deutschen Mode lesen.

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25 Jahre Schirn: Surreale Dinge.

Donnerstag, 10. Februar 2011


credit: Schirn

Die Schirn feiert dieser Tage ihr 25jähriges Bestehen. Seit jeher vermochte das lange Ausstellungshaus mit der Rotunde zwischen Frankfurter Römerberg und Dom auf überraschende Art publikumswirksam angelegte Ausstellungprojekte auch für tiefgründig Kunstinteressierte spannend aufzubereiten.
Zur Feier des Jahres landet die Schirn mit Surreale Dinge wieder einmal einen – so ist zu erwarten – Publikumsknaller. Die Kuratorin Ingrid Pfeiffer findet es “sehr erstaunlich, dass noch niemand vorher die surrealistische Objektkunst umfassend gezeigt hat.” Ja, erstaunlich ist das wohl, weil doch die Präsentation der leicht verdaulichen Objekte, die jeder irgendwie schonmal irgendwo gesehen hat, zig Besucher anlocken dürfte. Es geht um Sex, natürlich, und um unterdrückte Triebe, die gleichsam exemplarisch in den surrealistischen Dingen ihren Ausdruck finden.

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thinking about exhibitions:
AWARE: Art Fashion Identity

Freitag, 4. Februar 2011

We definitely missed that one. Gut, dass es auf der Website die Möglichkeit gibt, einzelne Arbeiten im Videoportrait zu sehen. Ich bin sowieso kein großer Freund der Modeausstellungen. Meiner Meinung nach ist da noch keine adäquate Präsentationsform im musealen Raum gefunden worden. Einfach die Klamotten auf Puppen zu präsentieren, ist irgendwie nix. Da sollte noch mehr gehen… Es gibt Ausstellungen, die das probieren. Aware hat es teilweise probiert. Die Installation Hussein Chalayans zeigt den Versuch (die Hussein Chalayan Ausstellung von 2009 im Londoner Design Museum hat es auch ganz gut hinbekommen. Im Video hier)… Ich bin gespannt, wie die Japan-Ausstellung im Müchner HdK aussehen wird. Thinking about exhibitions, ist das, was ich gerade tue. Ich lasse Euch an dem Prozess teilhaben…

ohne worte.

Mittwoch, 2. Februar 2011

Was soll man dazu auch sagen, was nicht hier oder hier schon gesagt wurde. Vielleicht ist es leichter zu ertragen, wenn man anfängt es lustig zu finden? Das mit der “Gegenkultur” funktioniert einfach nicht. Irgendwann geht allen die Kohle aus. Vielleicht sollte man das einfach mal akzeptieren… (hat es beim Dschungelcamp nicht genug gegeben? Und sind die Damen im Hintergrund auch tatsächlich die aus der Kommune? Julia? Jolo?)

Kein Tupperabend…

Sonntag, 30. Januar 2011

Jost hat sicher Recht, wenn er auf meine Facebookwall schreibt, dass “…realistisch betrachtet (…) aus der Berliner Modewoche keine international relevante Veranstaltung werden (kann), wenn sie zeitgleich mit der Männermode in Paris und den Verkäufen der Pre-Kollektionen aller größerer Designer läuft – sie müsste im Grunde genommen in ca. einer Woche stattfinden, damit internationale Presse/Einkäufer sich überlegen würden zu kommen.” Das verdeutlicht ja umso mehr das Positionierungsproblem der Berliner Modewoche. Um Tupperware geht es sicher nicht, da sind wir uns einig, nur aber um was sonst? Meines Erachtens nach klebt das Zelt zu sehr an der Bread&Butter, da wird Sportswear verkauft und sicher auch nicht schlecht, nur hat das, was bisher am Bebelplatz passiert ist, wenig mit Freizeitmode zu tun, sondern eher mit dem Versuch, eine irgendwie geartete “High Fashion” in Berlin zu etablieren und DAS funktioniert sicher nicht, wenn man das zeitgleich mit Paris über die Bühne laufen lässt. Es ist und bleibt ein Positionierungsproblem (mal abgesehen von den Geldern, die zusätzlich fließen müssten… doch das nur am Rande)! Wer auf die Idee kommt, man könnte Einkäufer und internationale Presse dazu bekommen, sich GEGEN die Pariser Männermodewoche und FÜR Berlin zu entscheiden, der ist mehr als naiv und beweist, dass er von den Funktionsweisen des Modezirkus’ keine Ahnung hat. Da ist scho a bisserl mehr taktisches Geschick gefragt, meine Herren (und Damen)…
Ich habe dazu mal ein bisschen was im FREITAG geschrieben.

Mythos der Gegenkultur #01

Freitag, 21. Januar 2011

Und so stehe ich am Bebelplatz für meine Platzkarte an und lese Konsumrebellen, während die Fashionistas auf ihren iPhones herumtippen. Und es funktioniert einfach nicht. Irgendwo geht auf halber Strecke die Identität verloren und wir jagen uns bei Gelegenheit eine Schrotkugel in den Kopf.

Der Gedanke der Gegenkultur beruht auf einer falschen Gesellschaftstheorie, heißt es. “Wir leben nicht in der Matrix, und wir leben nicht im Spektakel. Die Welt, in der wir leben, ist viel unspektakulärer. Sie besteht aus Milliarden von Menschen, die jeweils einem mehr oder minder plausiblen Begriff des Guten folgen, die miteinander zu kooperieren versuchen und dies mehr oder weniger erfolgreich tun. Es gibt kein übergreifendes System, das alles integriert. Die Kultur lässt sich nicht unterlaufen, weil es “die Kultur” oder “das System” gar nicht gibt. Es gibt nur eine Fülle von gesellschaftlichen Institutionen, bunt zusammengewürfelt, um die Vorteile und Lasten gesellschaftlicher Kooperation aufzuteilen (…).”
Es ist also alles einfach ganz undramatisch und im Extremfall jeder seine eigene “gesellschaftliche Institution”. Irgendwie auch furchtbar langweilig, wenn die Rebellion sich in Schall und Rauch auflöst und Lady Gaga über Kurt Cobain siegt.

mbfw berlin #03. bebelplatz

Mittwoch, 19. Januar 2011

as always. besonders glamorös schaut das nicht gerade aus.
Das Bild kam gerade von der Pressestelle Mercedes Benz’ per Mail, gemeinsam mit einer Fotografie von Boris und Lilly Becker, die ich Euch an dieser Stelle vorenthalte. Ja, ich war ja auch schon da, heute, und gehe nachher auch nochmal hin, aber gerade ist es am heimischen Computer mit der wissenschaftlichen Auseinandersetzung viel gemütlicher.

Meine Prognose für diese Saison: Die Renaissance der Kritik. Es darf endlich im großen Stile herumgekotzt werden! Über die Mode an sich wird es wieder nicht viel zu sagen geben. Bitte lesen (+ der Artikel zum Scheitern der Mercedes Benz Fashionweek Berlin im aktuellen Spiegel) und anhören.