Alles neu macht der Mai und im Juni kann man dann die Früchte ernten, oder so ähnlich… Jedenfalls eröffnet morgen der neue JULIAANDBEN Laden in der Gormannstraße 23 und ich übertreibe sicher nicht wenn ich behaupte, dass es einer der schönsten Läden Berlins ist. Es wird voll, es wird feucht, es wird gut und ich habe schon ein bisschen ein schlechtes Gewissen, jetzt hier nochmal darauf hinzuweisen, weil Julia Angst hat, dass es zu voll, zu feucht und zu gut wird. We will see…
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also bis morgen, dann…
Dienstag, 31. Mai 2011“Hallo, wir können nichts sehen” -
“Einfach kompliziert” im Berliner Ensemble
Samstag, 26. März 2011
Die Frau neben mir muss gestern einen furchtbaren Abend gehabt haben. Erst war es dazu gekommen, dass sie und ihr Gatte im zweiten Rang sitzen mussten. Als das Stück begann, beugte sich auch noch die Frau im Sitz vor ihr nach vorn, um besser sehen zu können. „Hallo, wir können nichts sehen!“ – Keine Reaktion – „Das interessiert die ja gar nicht.“ Gehört hatte sie es sicher, wie alle im Radius von 5 Sitzen auch. „Gnäd’ge Frau, dann beugen’s sich halt auch a bisserl vor“, mögen alle gedacht haben, den hilfesuchenden Blick der armen Frau ignorierend. „Die Menschen sind die Ursache, immer sind es die Menschen“ wird der pensionierte Schauspieler später auf der Bühne dazu sagen. Na freilich nicht zu ihr direkt, sie wird es sowieso nicht verstehen. So werden auch die letzten Worte aus ihrem dezent rotgeschminkten Mund, die ich an diesem Abend von ihr hören werde sein: „Ich habe wirklich gar nicht verstehen können!“ Ihr Mann zuckt die Achseln und sonst verwundert es auch niemanden, der Zeuge sein durfte, dieses kleinen Gegenschauspiels gestern im Berliner Ensemble in der zweiten Reihe des zweiten Rangs.
Mittwochskino #03 -
David Lynch: Eraserhead
Donnerstag, 24. März 2011
Leider musste das Mittwochskino gestern aus Gründen der Übermüdung ausfallen und wird daher aufs Wochenende verschoben. Der Plan war gewesen, David Lynchs Eraserhead im Babylon anzusehen, wo er gestern Nacht im Rahmen des Maerz Musik Festivals gelaufen ist. Und warum?
Mit seinen verstörend-surrealistischen – vom expressiven Stummfilm inspirierten – Bildern und seiner mitreißenden Tonregie entwickelte sich Eraserhead als Midnight Movie von den späten 1970er-Jahren an nach und nach zum Kultfilm. Gemeinsam mit dem Sounddesigner Alan Splet arbeitete Lynch ein Dreivierteljahr an der Tonspur von Eraserhead. Die Tonspur von Eraserhead ist ein gutes Beispiel für einen Sound Design Score. Sie ist geprägt durch einen permanenten, an- und abschwellenden „Ambient Noise Teppich“. Dieser besteht aus rhythmisch ständig in sich rotierenden Maschinengeräuschen, Rauschen in unterschiedlichsten Ausprägungen und tieffrequenten atmosphärischen Brummgeräuschen. Organisiert in ineinander übergehenden Toninseln strukturiert dieser den Film. Nicht zuletzt Eraserhead bestätigt so David Lynchs Ruf als „sound man“ unter den Regisseuren.
Quelle
Institute for Fashion Design Basel
Graduate Show 2011
Sonntag, 20. März 2011
More information and pictures here.
Werbepause:
FASHIONATION by Peek&Cloppenburg
Donnerstag, 10. März 2011
Als in meinem Heimatdorf eine Peek&Cloppenburg Filiale eröffnete, war das erstmal ganz schön cool, weil es neben dem H&M plötzlich ein weitere Möglichkeit gab, halbwegs okaye Klamotten zu kaufen, weil der P&C damals schon ein respektables Sortiment hatte, jedenfalls für denjenigen, der es gewohnt war in hessischen Kleinstädten einzukaufen. Dass in etwas größeren Städten, wie z.B. Berlin, ein nur ganz okayes Sortiment niemanden mehr hinterm Ofen hervorlockt, bzw. eine Reise in den Westen der Stadt antreten lässt, war dem Düsseldorfer Modehaus auch klar. Daher dachten sie sich mit Fashionation ein Shop-in-Shop Konzept aus, das ab sofort ein paar extravagantere Marken, darunter Costume National, Helmut Lang, See by Chloe, Unconditional etc. anbietet, die sonst selbst in Berlin nicht so ohne Weiteres überall zu haben sind. Letzte Woche wurde mit viel Brimborium und ausgewählten Modemenschen das “Worldclass Depatement” mit SomethingALaMode in der Filiale in der Tauentzienstraße eröffnet. Das Video zur Party kann man sich hier ansehen.
PS: Ab heute gibt es die Abteilung übrigens auch im P&C-Haus in Stuttgart.
“Grüß Gott (…). Ich habe
die Grenzen meiner Kräfte erreicht.”
Dienstag, 1. März 2011
Da verlässt man nichtsahnend das Haus Richtung YOGA Klasse, um nach dieser ein iPhone unter die Nase gehalten zu bekommen: “Der Guttenberg ist zurückgetreten”. Na schau mal einer an – was ich im Nach-unten-schauenden-Hund beinahe vergessen hatte… Semi-zuverlässige Quellen hatten mir geflüstert, er hätte eigentlich bis Freitag warten wollen. Nun ist es jetzt raus und die Popkorntüte muss zu einer anderen Gelegenheit geöffnet werden. Eine konsequente Rede lieferte KTG diesen Morgen und Leid hat er mir sogar auch getan. Die Politik ist ein Arschloch und diese Affäre zeigt einmal mehr, dass da vieles nicht mit rechten Dingen zugeht im Mauscheltag im Reichstagsgebäude… “Grüß Gott”, begrüßte der Oberfranke Gott und die Journalistenwelt. Er habe die GRENZEN seiner Kräfte erreicht und den Tanz um die Plagiatsaffäre nur getanzt, um seine Reformbemühungen voranzutreiben und den gefallenen Soldaten die letzte Ehre zu erweisen. Das mag ich jetzt mal so akzeptieren, mit schief gelegtem Mund und säuerlich verzerrtem Blick… was soll ich auch anderes tun? Mögen tue ich ihn noch immer nicht. Nach einem holprigen Umweg ist die Welt für kurze Zeit (wieder) in Ordnung…
modetreue 3/3
Montag, 28. Februar 2011Viele Forscher verorten die Geburt der Identität in die Zeit der Renaissance. Das war eine Zeit, in der, einhergehend mit gesellschaftlichen Umstrukturierungen, zunehmend spezifische Kompetenzen gefragt waren. Diese wurden einem nicht länger mit der Identität angeboren, sondern mussten erworben werden. So waren Tugend, Eleganz und Annehmlichkeit zwar immer noch nette Eigenschaften, brachten einen aber in Politik und Wirtschaft nicht unbedingt weiter. Die erforderlichen Kompetenzen verlangten nach einer gezielten Erziehung. Mit dieser Tatsache ging die Feststellung einher, dass nicht jeder alles gleich gut konnte, das “nichts dem Menschen weniger gleicht als ein Mensch.”
Mit dieser Erkenntnis wurde man sich einer völlig neuen Problematik gewahr – die von der Beziehung von Allgemeinem und Besonderem, man kann auch sagen, die zwischen Individuum und Gesellschaft. Führte man zuvor das Andere auf das Gleiche, das Besondere auf das Allgemeine zurück, beginnt man spätestens seit der Renaissance Andersartigkeit als solche zu registrieren.
Mit dem Auflösen der einen Weltordnung löste sich aber nicht automatisch auch das Bedürfnis des Einzelnen nach Stabilität auf. Weil es die Stabilität nicht mehr gab, musste jeder etwas Eigenes suchen, um sich selbst zu stabilisieren. Das neu erwachte Individuum tat dies, indem es sich umschaute und beobachtete, was die anderen so taten, um sich selbst zu stabilisieren. So entstand ein Geflecht aus Individuen, die damit beschäftigt waren, zu beobachten, beobachtet zu werden und zu beobachten wie sie beobachtet werden. Der Systemtheoretiker Niklas Luhmann bezeichnete das später als ein System zweiter Ordnung, das sich nicht wie das System erster Ordnung zuvor aus einer Ordnung konstituierte, sondern durch die Vielzahl aktiv Agierender unterschiedliche Perspektiven ermöglichte und dadurch unterschiedliche Sichtweisen und unterschiedliche Ordnungen.
modetreue 2/3
Sonntag, 27. Februar 2011In vormodernen Zeiten gab es viele Probleme, die uns heute plagen, überhaupt nicht. Das Problem z.B., sich nicht entscheiden zu können, weil einem so viele Möglichkeiten offen stehen, dass man gar nicht mehr weiß, was für einen das beste ist, dieses Problem hat es nicht gegeben. Es gab eine gottgegebene Wahrheit, eine große Ordnung der Dinge, nach der alles lief und nach der sich alle richteten. Und lief etwas einmal nicht nach Plan, dann war das nicht weiter irreführend, sondern lediglich eine Abweichung, die es galt, wieder auf die große eine Ordnung zurückzuführen. Es gab keine Kontingenz, keine Fülle an denkbaren Möglichkeiten, an theoretisch möglichen Wahrheiten, wie wir sie heute kennen. Das machte das Leben sehr überschaubar.
Diese fehlende Kontingenz bezog sich nicht nur auf äußerliche Möglichkeiten, sondern ebenso auf innere. D.h. es gab keine unterschiedlichen Seinsmöglichkeiten, keine Individuen, keine Identität, jedenfalls nicht in der Form, wie wir sie heute kennen. Vor dem 17. Jahrhundert wurde man in seine Identität hineingeboren. Man war dann entweder adelig, arm, Sohn oder Tochter von usw. Dies konstituierte einen Rahmen, innerhalb dessen man sich verhalten konnte. Selbstverständlich hatte man die Möglichkeit, sich außerhalb dieses Rahmens zu bewegen, sich eigenwillig zu kleiden oder eine eigene Meinung zu artikulieren. So war man aber kein besonders einfallsreicher, individueller Mensch, wie wir es heute vielleicht sehen würden, sondern – mit viel Glück, ein Held – meist aber eher ein zu beseitigender Störenfried oder schlichtweg verrückt.
Ob die Menschen damals glücklicher gewesen sind, vermag ich hier spontan nicht zu sagen. Eines ist aber wohl sicher, sie hatten ein stabiles Weltbild und viel mehr Zeit sich mit anderen Dingen als sich selbst zu beschäftigen.
“Ich habe es zwar selbst geschrieben, aber ich war es nicht, der es geschrieben hat (…)”
Samstag, 26. Februar 2011
Ein Mönch mit ipad verspricht: “Mit Gottes Hilfe ist jeder dazu fähig!”
Man kann nicht gerade behaupten, mich ließen die Diskussionen um Herrn ehemals Dr. zu Guttenberg kalt. Im Gegenteil sogar. Brav habe ich einen offenen Brief an Frau Merkel unterzeichnet und würde mich freuen, wenn andere Doktoranden, die es bisher versäumt haben, es mir noch gleich täten (nicht promovierende Unterstützer können da übrigens auch mitmachen). Dennoch finde ich die förmliche Hetzjadt, die diese Woche auf den adeligen Strahlemann verübt wurde, doch ein bisschen übertrieben und sehr gefärbt von persönlichen Sympathien und (oppositionellen) Wahltaktiken. Ich konnte ihn noch nie leiden – kann im übrigen auch nicht sehen, dass er so herausragende politische Erfolge zu verantworten hat, wie viele meinen – daran hat die noch zu klärende Plagiatsaffäre nichts geändert – weder im positiven noch im negativen Sinne.
Viel erschreckender finde ich die Reaktionen der Bevölkerung, die sich zu einem Großteil verteidigend vor den Verteidigungsminister stellt. “Wir alle machen Fehler” und ein Konformgehen mit der Aussage der Kanzlerin, die “einen Minister und keinen wissenschaftlichen Mitarbeiter eingestellt habe” bestimmen die Stimmung. Aber kann man tatsächlich den betrügenden Privatmenschen vom Staatsmann trennen? Geht es nicht viel eher darum, dass KT in seiner Rolle als Vorbild den Doktor- gemeinsam mit dem Ministerhut hätte nehmen müssen und hätte man sich nicht dann überlegen können, ob man ihn nicht vielleicht TROTZDEM im Amt behalten möchte, weil er ein so “toller” Minister ist? Das hätte man dann ja irgendwie erklären können!
modetreue 1/3
Samstag, 26. Februar 2011Heute vor einer Woche war ich in Mannheim und las einen Text zum etwas abstrakten Begriff “Modetreue”, allen durchaus berechtigten Befürchtungen zum Trotz, dass sie ein bisschen zu komplex sein könnte, meine Ausführungen, um sie lesend einem Publikum vorzutragen. (Mir liegt die Form des Vortrags eher) Daher hier in Portionen mein Text zum Nachlesen (Ich stütze mich im Text in erster Linie auf die Überlegungen Elena Espositos zur Paraxodie der Mode. Die Zitate stammen – sofern nicht anders vermerkt – aus der gleichnamigen Publikation):
Mode und Treue sind zwei Dinge, die dem ersten Anschein nach nichts miteinander zu tun haben. Die Mode wurde lange verstanden als recht oberflächliches Phänomen. Die meisten der wenigen Theoretiker, die sich im Laufe der Entwicklung der Moderne mit ihr befassten, kamen zu dem Schluss, dass die Mode grundsätzlich unnötig ist. Sie sei vielmehr eine auffällige Form des Konsums und weniger ein ernstzunehmendes wissenschaftliches Feld. Im 17. Jahrhundert war die Mode die „Göttin des Scheins, der Wahnsinn, dem man sich nicht entziehen konnte, die Königin des gesellschaftlichen Lebens. Neben der Wahl der Kleidung und der Gewohnheiten, lenkte die Mode selbst die Wahl der Sitten, der Moral, der Art zu Reden und der Theoriebildung.“ Im Grunde hat sich daran nicht viel geändert, nur verlor die Theorie im Laufe des 19. Jahrhunderts das Interesse an ihr. Die Mode wurde zu einem nichtigen und umgrenzten Gegenstand, der auf die Kleidung beschränkt und vorwiegend den Frauen vorbehalten war. Das Seltsame daran ist, dass das genau zu einer Zeit passierte, in der die theoretische Auseinandersetzung mit modernen Phänomenen wie die Temporalisierung und der zunehmende Individualismus und die sich daraus ergebenden Konsequenzen zunahm. Dabei ist es doch gerade die Mode, die diese Phänomene gestaltet und operationalisiert. Wer sich mit Mode befasste – und das hat sich bis heute kaum geändert – setzte sich in der Regel nur mit Kleidung und mit der Art, den eigenen Körper zur Schau zu stellen, auseinander. Wie konnte es dazu kommen?























