Archiv für die Kategorie „Bücher“

Berlin Catwalks

Sonntag, 10. Juli 2011

André Müller, der diesen April im Alter von 65 Jahren starb, sagte einmal folgendes über seine Art Interviews, von denen viele in der ZEIT erschienen sind, zu führen: “Ich habe in den anderen immer nur mich selbst vorgefunden, meine Not, meine Verzweiflung, mein Genuss am Absurden. Meine Interviews sind der durch die Anwesenheit wechselnder Partner gestörte Versuch mit mir selbst zu sprechen.” Ob Natascha versucht hat durch mich mit sich selbst zu sprechen, vermag ich nicht zu sagen. Jedenfalls hat sie mit mir gesprochen. Die Fotos für das Interview hat Julia gemacht. Das Cover des Buches ist gewöhnungsbedürftig. Aber – so weiß ich mittlerweile – daran hat der Autor gemeinhin wenig mitzubestimmen. Der Inhalt ist gut und irgendwie ist es ja auch schon wieder lustig, dies über ein Buch zu sagen, das sich mit Mode (in Berlin) befasst.

Berlin Catwalks. Modische Abenteuer in der Hauptstadt
Natascha Binar und Katia Mossina
Grebennikov, Juni 2011

“Du willst es doch auch!” -
Pop und Pornografie bei Heidi Klum

Mittwoch, 9. März 2011


credit: ProSieben

Am Wochenden schaute ich gemeinsam mit dem Mann die erste Folge der neuen Germany’s next Topmodel Staffel. Grundsätzlich ist das kein Programm, das ihn wirklich interessiert und dennoch schauten wir uns das an und aus – so mag man auf den ersten Blick meinen – völlig unterschiedlichen Hintergründen. Für mich ist es Unterhaltung, für ihn ist es Alltagspornografie und damit auch wieder irgendwie Unterhaltung, den “Fötzchen” dabei zuzusehen, wie sie es nicht bringen, wie sie über schmale Stege balancieren, auf Highheels einen Laufbandweltrekord brechen, sich einmal “ganz sexy” stylen sollen, sich im Großen und Ganzen zum Affen machen lassen von der Landesdomina Klum und ihren zwei schwulen Adjutanten. Es ist pures Schauspiel, Posse, Pop eine Gesellschaftsparodie und ich kann es nicht besser beschreiben, als es Marie Schmidt in der noch aktuellen ZEIT tat, in der sie über eine Serie schrieb, die uns immer wieder aufs Neue die wohlberechnete Erfüllung eines gut geölten Schemas verheißt und damit nichts anderes tut, als – tata – die Pornografie, die dafür einsteht, dass ein vergleichsweise begrenztes Spektrum menschlicher Vorfälle sich zuverlässig ereignet.

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Die Paradoxien der Mode #04

Donnerstag, 17. Februar 2011

Was ist Originialität? Wann ist ein Mensch authentisch, wann ist er ehrlich er selbst? Zunächst kann festgestellt werden, dass es im modernen Menschen einen Drang dorthin gibt, Antworten auf diese Fragen zu finden. Es ist geradezu abhängig von diesem Drang, so sieht es jedenfalls Pascal, den Elena Esposito in Kapitel 4 zitiert.
Während des Versuchs diese grundsätzlichen Fragen zu behandeln, stellt die Soziologin zunächst fest, dass es im Zusammenhang mit dem Originalitätsbegriff unterschiedliche Pradoxien gibt die einer genaueren Untersuchung bedürfen…

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Die Obsoleszenz der Dinge.

Donnerstag, 17. Februar 2011

(Das Video ist leider nicht länger verfügbar)

Unter Obsoleszenz versteht man im übrigen die künstliche oder natürliche Veralterung eines Produkts. Die meisten der Produkte, die wir täglich nutzen sind per se nicht auf den ewigen Gebrauch angelegt. Viele funktionieren viel weniger lang als sie könnten. Das bekannteste Beispiel dafür ist die Glühbirne. Vorgestern lief auf arte im Abendprogramm eine Dokumentation, die sich mit der Obsoleszenz der Dinge beschäftigt und darüber aufklärte, dass diese, war sie einmal als Motor der Wirtschaft gedacht, in Zeiten knapper werdender natürlicher Ressourcen immer unzeitgemäßer wird. Warum geht ein Drucker nach einer bestimmten Anzahl gedruckter Blätter kaputt, warum kaufen wir dann einen neuen und lassen den alten nicht reparieren? Warum denken wir, immer etwas Neueres, Besseres, Tolleres haben zu müssen?

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Die Paradoxien der Mode #03

Dienstag, 15. Februar 2011

In Teil 01 und 02 habe ich die Kapitel 1 – 3 aus Elena Espositos “Paradoxien der Mode” zusammengefasst. Im ersten Teil,  beschrieb ich die Zielsetzung Espositos, die Mode als exemplarisches Phänomen der Moderne zu analysieren. In ihren Paradoxien, die in ihrer jeweiligen Instabilität doch gemeinsam eine gewisse Stabilitität zu erzeugen vermögen, sieht Esposito ein für weitere Phänomene der Moderne beispielhaftes Konglomerat.
In Teil 2 ging es darum zu zeigen, wie es im 17. Jahrhundert, zur Zeit des Barock, erstmals zu einer Aufspaltung der klassischen Inhärenz von Schein und Sein kam, welches auf ein Aufbrechen der einen klassischen Ordnung der Welt zurückzuführen ist. Diese Aufspaltung stellt die Grundlage für ein modernes Kontingenzverständnis dar, demzufolge es nicht die eine Ordnung gibt, sondern unendliche viele Ordnungen, die jeweils von Wissen und Zeitpunkt sowie vom Subjekt der Aussage abhängen. Ein Schein führt demnach nicht automatisch auf ein bestimmtes, gegebens Sein zurück, sondern ist in seinen Ausprägungen ebenso vielfältig wie die Seinsformen, auf das es jeweils verweist…

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Stilbibel.

Dienstag, 15. Februar 2011

Letztes Jahr ist eines der Standardwerke des subkulturellen Stils von PYMCA neuaufgelegt worden. Als absolute Befürworterin des 90s Revivals empfehle ich jedem der sich ebenso freut wie ich, die Lektüre Ted PolhemusStreet Style zur Inspiration. Zudem kann es auch nie schaden, in welchem Bedeutungszusammenhang bestimmte Stilmerkmale stehen. In den 90ern, in denen fröhlich in der subkulturellen Kiste gewühlt wurde, ist einiges über Bord gegangen. So hält sich beispielsweise bis heute wacker der Vorwurf, Skins seien per se Anhänger rechtsradikalen Gedankenguts (gewesen).
Und wer dann noch mehr lesen will, der kann das dann bei Dick Hebdige tun. Subculture: The Meaning of Style ist freundlicherweise mal im Auftrag Diedrich Diederichsens ins Deutsche übersetzt worden und als pdf online verfügbar.

Die Paradoxien der Mode #02

Donnerstag, 10. Februar 2011

Der Begriff der Kontingenz beschreibt, einfach gesagt, eine Fülle an Möglichkeiten. Je mehr es davon gibt, desto schwieriger ist es, ein stabiles Weltbild zu gestalten. Keine Aussage kann als eindeutig wahr oder unwahr, unabhängig von Wissen und Zeitpunkt sowie vom Subjekt der Aussage angesehen werde. Im klassischen Zeitalter gab es diese Probleme nicht. Da gabe es eine gottgegebene Wahrheit und somit keine im heutigen Sinne verstandene Kontingenz. Die Art und Weise etwas zu tun oder zu sein bezog sich nur auf sekundäre, veränderbare Eigenschaften, veränderbar hin zu den dauerhaften, allgemein anerkannten Eigenschaften. Mit anderen Worten: Ein Ding konnte zwar eine von der Allgemeinheit abweichende Eigenschaft aufweisen, diese wurde ihm aber nicht als primär zugestanden, sondern als prinzipiell veränderbar, hin zu einer gegebenen Ordnung der Dinge. Der Schein verwies zwar auf ein Sein, aber eben auf ein allgemeines und nicht auf ein originäres.

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just spectacle.

Samstag, 5. Februar 2011

http://guydebord.com/
via mottodistribution.

Mythos der Gegenkultur #01

Freitag, 21. Januar 2011

Und so stehe ich am Bebelplatz für meine Platzkarte an und lese Konsumrebellen, während die Fashionistas auf ihren iPhones herumtippen. Und es funktioniert einfach nicht. Irgendwo geht auf halber Strecke die Identität verloren und wir jagen uns bei Gelegenheit eine Schrotkugel in den Kopf.

Der Gedanke der Gegenkultur beruht auf einer falschen Gesellschaftstheorie, heißt es. “Wir leben nicht in der Matrix, und wir leben nicht im Spektakel. Die Welt, in der wir leben, ist viel unspektakulärer. Sie besteht aus Milliarden von Menschen, die jeweils einem mehr oder minder plausiblen Begriff des Guten folgen, die miteinander zu kooperieren versuchen und dies mehr oder weniger erfolgreich tun. Es gibt kein übergreifendes System, das alles integriert. Die Kultur lässt sich nicht unterlaufen, weil es “die Kultur” oder “das System” gar nicht gibt. Es gibt nur eine Fülle von gesellschaftlichen Institutionen, bunt zusammengewürfelt, um die Vorteile und Lasten gesellschaftlicher Kooperation aufzuteilen (…).”
Es ist also alles einfach ganz undramatisch und im Extremfall jeder seine eigene “gesellschaftliche Institution”. Irgendwie auch furchtbar langweilig, wenn die Rebellion sich in Schall und Rauch auflöst und Lady Gaga über Kurt Cobain siegt.

state of mind #01

Samstag, 1. Januar 2011

Dad cracked a joke, all the kids laugh
But I couldn’t hear them all the way in first class
Chased the good life my whole life long
Look back on my life and my life gone
Where did I go wrong?

Die Welt ist gespalten. Welche Neuigkeit zum neuen Jahr! Während die einen über ihre Elternschaft jammern (und sich dafür von anderen Eltern kritisieren lassen) beklagen sich die anderen über ihre Entscheidung zum Ich, Johnny Marco z.B. oder auch Kanye West (s.o.). Wie man es auch macht…

Malte Welding schrieb kürzlich (neben einem Buch) im Freitag über den Facebook-Narzissmus und seine Auswirkungen auf unsere Arten des Beziehungsführens: “Kaum steht der Fick vor’m Bett gehen die Mädchen von heute vor Schreck auf Facebook”… It may be over, das Märchen von der trauten Zweisamkeit. Aber ist das wirklich so schlimm? Ich habe Tom Tykwers jüngsten Film noch nicht gesehen. Aber geht es nicht eben darum?