Uta von Naumburg ist meine Person des Tages. Bei fortschreitender Lektüre Judith Butlers “Das Unbehagen der Geschlechter” starte ich den Versuch, Geschlechterkategorisierungen aus meinem Wortschatz zu streichen. Ich als Gegnerin der Frauenquote. Wozu eine Quote für etwas, das nicht existiert? Daher gibt es hier auch keine “Frau des Tages”, sondern eine “Person des Tages” und die ist weiblichen Geschlechts, das ist anzunehmen, weil sie – wie es der Zufall wollte – den austragenden Teil der Anatomie – so mag man meinen – abbekommen hat, was sie nicht automatisch zu einer “Frau” macht, wie Simone de Beauvoir in “Das andere Geschlecht: Sitte und Sexus der Frau” behaupten würde.
(Jedenfalls ist besagte Uta noch bis morgen im Naumburger Dom von Angesicht zu Angesicht betrachtbar, sonst kann man das nämlich nur von unten, aus 3m Entfernung und das ist nicht das gleiche Seherlebnis, wie auch Alexander Cammann in der aktuellen ZEIT findet, in der er ihr, der Uta, einen offenen Brief schreibt um sein Angetansein kundzutun).
Uta bewegt seit jeher nicht nur die Herzen junger Kunstgeschichtsstudentinnen, sondern auch Erforscher der deutschen Mythologie, wie z.B. meinen Doktorvater, der über sie ein Buch schrieb. Zusammenfassend dazu empfehle ich die Lektüre des in der Amazon Beschreibung zitierten Artikels aus der NZZ: “Die Skulptur der weltlichen Markgräfin wurde zu einer Heiligen stilisiert, die alle, auch den Nationalsozialisten wünschenswerten weiblichen Tugenden verkörperte. Anmut und Hoheit, Menschlichkeit und Entrücktheit wurden ihr in Romanen und Erbauungsbüchern ebenso unterstellt wie Duldsamkeit und Leidensfähigkeit. Aus der steinernen Skulptur wurde eine geheimnisvolle Frau, von der mancher meinte, ihr en passant schon einmal begegnet zu sein.”
Wie schön nun, wenn mehr solcher Frauen Einzug in deutsche Führungspositionen erhalten würden. Denn “Frauen sind nunmal anders als Männer“, sagt unsere Familienministerin Kristina Schröder im Interview mit der ZEIT. Vielleicht “anmutig”, “menschlich”, “duldsam” und “leidensfähig”? Schröder jedenfalls findet eine rigorose Frauenquote wie sie ihre Kollegin Arbeitsministerin Ursula von der Leyen fordert zwar “sozialistisch bevormundend“, hält aber an einer so genannten “Flexiquote” fest.
Das ist ja alles schön und gut, auch das Frau Schröder, die es im übrigen nicht so gerne mag, wenn ihr ihr Erfolg, den sie zum Teil auch einer Quotenregelung der CDU zu verdanken hat, eben als solcher, als “Quotenerfolg”, unter die Nase gerieben wird, geänderte Rahmenbedingungen fordert.
Wie wäre es einfach damit: Wir schaffen Rahmenbedingungen, die es Menschen ermöglichen, innerhalb einer gegebenen Gesellschaft ihre anatomisch vorgegebene “austragende” Funktion nicht als Makel zu empfinden, bzw. mehr oder weniger mythologisch aufgeladene Bilder von Mutter- und Familienglück aufgezwungen zu bekommen, sondern frei entscheiden zu können, ob sie Mutter sein möchten, ob nicht und ob sie als Mutter arbeiten möchten oder nicht. Eine Frauenquote kreiert, so beschreibt es Butler genau, überhaupt erst das Problem, bzw. auch neue Probleme. Denn sobald es in bestimmten Gebieten zu Bevorzugungen von “Frauen” kommt, kommt es im Gegenzug zu Benachteiligungen von “Männern”. Wie soll man da denn Einheitlichkeit schaffen? Und was ist überhaupt mit Personen mit “begattender” Funktion, die gerne entscheiden möchten, ob sie Vater sein möchten oder nicht und ob sie als Väter arbeiten möchten oder nicht. Wie soll denn die Problematik über Quoten jemals gelöst werden? Nach der Frauenquote käme doch automatisch die Männer- bzw. Väterquote und danach nur noch mehr Kategorisierungen der Menschen, durch die sie sich individuell immer weniger repräsentiert fühlen. Zu einer Gleichberechtigung kommt man dann, wenn man wirklich alle gleich berechtigt und das funktioniert in diesem besonderen Fall in erster Linie darüber, dass über Geschlechtergrenzen nachgedacht wird, etwas, das in der Mode bereits passiert…
Aber ich gebe natürlich zu, einer Wählerschaft die Aufhebung der Geschlechtergrenzen zu erklären ist kein allzuleichtes Unterfangen! Also doch besser zurück zum Mythos der holden Maid, die die Männeriegen mit ihrer “konsensorientierteren” und “effizienteren” Arbeitsweise auflockern wird… (vielleicht, möglicherweise, eventuell…)?
—
Wichtig ist noch anzumerken, dass ich nicht glaube, dass es die Kategorien “weiblich” und “männlich” nicht gibt, im Sinne einer gefühlten und gelebten Geschlechteridentität, bzw. eines mehr oder weniger spirituellen Dualismus. Nur sehe ich diese nicht zwangsläufig gebunden an das anatomische Geschlecht. Was micht stört ist die nach wie vor von der Politik vertretene Auffassung, dass Sex und Gender untrennbar verwoben sind… wobei sich das freilich aufzulösen beginnt, nur ist der Prozess ermüdend langsam und die Geschwindigkeit an ein System gekoppelt, das seine Macht über das Erschmeicheln von Wählerstimmen erlangt, die größtenteils Menschen abgeben, die es nicht gewohnt sind, im großen Rahmen zu denken.
Schlagworte: Flexiquote, Frauenquote, Interview, Judith Butler, Kristine Schröder, Simone de Beauvoir, Ursula von der Leyen, Uta von Naumburg, Wolfgang Ullrich, zeit

[...] Ein paar Gedanken:Uta von Naumburg und die Frauenquote » http:// fnart.org [...]
Ad “einer Wählerschaft die Aufhebung der Geschlechtergrenzen zu erklären ” ..: Es gibt einen Autor, der das trotzdem versucht – durch “politische Lyrik”, und zwar Peter Redvoort (“Die Söhne Egalias” , “Neue Männer. Gedichte”, seinen ersten Roman hab ich noch nicht gelesen).
Seine Bücher sind für mich als Feministin ermutigend – und ich verschenke sie auch regelmäßig an die Männer in meinem Umkreis (bei denen mir die Geschenkewahl sowieso oft schwerfälllt… )
Toller Blog!
Barbara
Hallo Barbara,
vielen Dank für den Hinweis. Ich lese mich gerade in das Thema ein.
Freut mich, dass Dir mein Blog gefällt!
[...] jüngster Zeit häufen sich die Versuche, die gerade erst überwunden geglaubte Frauendiskriminierung durch die Hintertür wieder einzuführen, indem man Frauen eine Kleiderordnung vorschreiben will. [...]
[...] seen with Leica R7, Hamburg, Spitalerstraße es gibt blogposts, die kommen aufgrund der aktualität des themas sehr chic und bei nennung der kontroversesten theoretikerInnen auch noch ein wenig intellektuell daher. so äussert sich doch die in berlin wohnhafte mahret kuppka auf ihrem blog fnart/ leben mode kunst etc.: [...]