Ich war so um die 15, als ich beschloss, mich fortan nur noch in tragische Helden zu verlieben. Ich saß mit meiner Oma im Ernst Deutsch Theater an der Hamburger Mundsburg und Don Carlos legte den Grundstein für eine Vorliebe, die bis heute anhält. Während sich andere Pubertierende Bravo-Poster von irgendwelchen Schauspielern und Pop-Stars an die Jugendzimmerwände pinnten, schnitt ich das Foto eines hübschen Jungen aus einem Hochglanzmagazin aus und klebt es auf den Deckel der Reclam Ausgabe von Schillers Drama über den jungen Infanten. Die Symbiose war geschaffen und damit die perfekte Vorlage, die ich seither fröhlich in alles hineinprojiziere, was den leistesten Anschein einer gewissen Tragik in sich birgt.
So verknallte ich mich gestern selbstverständlich sofort in Johnny Marco, um den sich – gespielt von Stephen Dorff – die Handlung in Sofia Coppolas jüngstem Film dreht. Johnny schaut ganz passabel aus und ist alleinstehender, erfolgreicher, promisker Hollywood-Schauspieler, der permanent im hippen Hotel Chateau Marmont in L.A. lebt und eine Tochter – Cleo – mit einer Frau hat, zu der er kein ausgegorenes Verhältnis pflegt. Zudem steckt er in einer waschechten Krise und ist vor allem eins, tragisch – was durch die Requisite eines Gipsarms, den er seit einem Treppensturz zu Beginn des Films trägt noch optisch unterstrichen wird – und die perfekte Basis für eine runde Geschichte, wie sie das Leben täglich aufs Neue schreibt.
In „Somewhere“ geht es um Entscheidungen, die getroffen werden und die manchmal in Sackgassen führen, die auf dem Hotelzimmerboden neben dem Bett enden können, tränenaufgelöst feststellend, dass niemand mehr übrig ist, der einen halten mag, im Moment der Erkenntnis, dass es nicht weitergeht. Und so schaut man ihm zu, dem Johnny, und möchte ihm gelegentlich übers Haar streichen, ihn zudecken, wenn er vor den regelmäßig zum Private Dance bestellten Poletänzerinnen einschläft oder ins Bett tragen, wenn er zwischen den Schenkeln einer drallen Blondine wegnickt.
Und dann kommt Cleo, die all das irgendwie tut, die ihm Frühstück macht und sich von ihm im Guitar Hero schlagen lässt, die ihn stirnrunzelnd ansieht und die ihn entschuldigend zurückschauen lässt, die in ihrem unbeschwerten Dasein die Sinnlosigkeit perfekt zu enthüllen vermag und die eine Schleuse öffnet, die all die SMS verschmähter Affären vordringen lässt, ihnen einen Raum schenkt: „Why are you such an asshole?“. Und als alles beginnt den Anschein zu erwecken irgendwie gut werden zu können, ist die Zeit mit Cleo vorbei, sie geht ins Sommercamp und ihm beginnt es Leid zu tun, dass er sich irgendwann dazu entschieden hatte, nie für sie da zu sein und es passiert weiterhin nicht viel, Sofia Coppola bleibt höchst suggestiv, erspart uns ein irgendwie geartetes Happy End, trägt uns sacht auf der Musik – die sich einmal mehr auf Platte zu erstehen lohnt – durch die Geschichte von einem Mann, der die Vorstellung von seinem Leben verloren hat.
There is a time when we all fail,
some people take it pretty well,
some take it all out on themselves,
some they just take it out on friends,
oh everybody plays the game,
and if you don’t you’re called insane,
Schlagworte: Sofia Coppola, Somewhere, The Strokes

so, und den werde ich mir jetzt endlich auch ankucken!
ich auch! aber wenn sofia coppola regie führt und thomas mars für die musik verantwortlicht ist.. das kann ja nur gut werden.
Bin seeehr auf den Film gespannt ;-)
Ich schaue ihn wieder und wieder und wieder an: Zweifelsfrei ein absolutes Highlight 2010.