
credit (links): paris rive gauche
At the beginning of each fashion season every house mannequin has assigned her own outfits to model, so schreibt Alicia Drake in A Beautiful Fall und meint damit soviel wie, dass die am Hause angestellte Damen Kleidung präsentierten, die ihnen auf den Leib geschneidert waren (abgesehen von der Tatsache, dass es angestellt Hausmodels gab, nach heutigen Verhältnissen kaum mehr vorstellbar). Und diese trugen sie in der Form, wie es der Designer vorsah, mit entsprechenden Accessoires und entsprechendem Styling. Eigenständig rumexperimentiert wurde nicht und so ist es nicht verwunderlich, als es zum Eklat kam, als Yves Saint Laurents Leib- und Magenmodel Victoire Doutreleau plötzlich in der Robe einer anderen daherkam und auch noch den Mut bewies, diese mit eigenen Stiefeln und locker auf die Schultern herabfallendes Haar zu kombinieren. The Muse had rebelled. Und damit war sie raus.
Instrumentell war der Zugriff des französischen Modemachers auf Models. Für ihn seien die Mannequins nichts weiter als Modelle, die er als Frauen gar nicht warhnehme, zitiert ihn Isabelle Graw in der aktuellen Texte zur Kunst. Ihn interessiere allein, ob sie einen bestimmten Aspekt seiner aktuellen Linie auch gut zur Geltung bringen würden.
Dennoch scheint es damals ein bisschen einfacher gewesen zu sein, Hausmodel zu sein – ein Berufsbild, das es so heute gar nicht mehr gibt. Die Damen fanden Zeit, mit berühmten Freunden abzuhängen und als Musen Einfluss zu nehmen auf den Designprozess. Heute erliegen junge Modelmädchen dem Stress immer überall zu sein und dabei immer total super auszusehen und gut gelaunt. Sie sind mittelständige Einfrauunternehmen. Ständig am Puls der Zeit.
Bei Abdul Lagerfield bin ich auf eine Dokumentation gestoßen, die sich eben diesem Thema widmet:
Die restlichen Teile hier.
Apropo Model…
Crystal Renn, beliebtes Plus-Size Model und Autorin ihrer Biografie “Hungry” hat es da besonders schwer, zwischen Ansprüchen der “wahren Frauen”, die in ihr eine Gallionsfigur der Natürlichkeit in der Modewelt sehen und den Anforderungen einer Modewelt, die per Definition wenig gemein hat, mit dem “Leben auf der Straße”. Crystal soll ja wieder dünn sein, so jedenfalls sieht es in der aktuellen Fashion for Passion Kampagne aus (ein bisschen rumgebastelt wurde an den Bildern schon, wie diese Videostills vom Shooting beweisen). Die Schreiber der Life&Style sind entsetzt, fühlen sich betrogen von einer erneut erschlankten, die – so sagt wohl ihr Manager – eben nur Bergsteigen war und daher in kurzer Zeit so viel abgespeckt habe. Andere vermuten anderes: Karl Lagerfeld soll schuld sein. Renn war im Mai auf dem Laufsteg für die Chanel Cruise Kollektion zu sehen, auch da schon “erschreckend abgemagert”. Der Druck, den der hagere Karl ausübe, habe Crystal dazu veranlasst, ein paar Pfunde zu lassen, so Life&Style. Als Model mit modellhaftem Körper und Maßen wird Renn wohl nie funktionieren, sondern wird vielmehr zum Spielball zwischen den Fronten zweier Parteien, deren eine in Renn die Erlösung vom Magerdiktat erhofft und deren andere das Model zu nutzen scheint als Marketing Gag, denn wohl ist die kurzzeitige “Dickendebatte” in der Modewelt eher zu verstehen als Lapalie, als Laune der Mode, die unbeirrt ihren Gang weitergeht und ihrem Wesen nach kaum Raum lässt für Individualität und Charakter.
Als weitere Lektüre empfehle ich: Isabelle Graw: Mode und Lebendigkeit / Ein Kommentar zur modelfreien “Brigitte” in der aktuellen Ausgabe der Texte zur Kunst.
Schlagworte: A Beautiful Fall, Alicia Drake, crystal renn, hungry, Isabelle Graw, Les filles en vogue, model, Texte zur Kunst, Victoire Doutreleau, Yves Saint Laurent