
Ausstellungsansicht „fast forward 2. The Power of Motion“. (mit Werken von Jesper Just (li.) und Rodney Graham). Foto: ONUK
Während die Kunstkaravane im ICE von Berlin nach Basel weiterfuhr (die 6. Berlin Biennale wurde ja gerade eröffnet), stieg ich mehr oder minder spontan aus, am Donnerstag in Karlsruhe, um der Eröffnung der Fast Forward II Ausstellung, die Werke aus der Medienkunstsammlung der Münchner Sammlerin Ingvild Goetz zeigt, beizuwohnen. Vielmehr schaute ich mir alles in Ruhe vorher an, bevor alle andern kamen, denn als alle anderen kamen schaute ich Fußball, trank Alkohol oder hatte Sex. Jedenfalls tat ich irgendetwas, das gemeinhin erheiternder ist, als auf einem Kunstevent herumzustehen.
Die Karlsruher Ausstellung jedenfalls, die noch bis zum 03. Oktober im Museum für Neue Kunst, das dem ZKM, dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie angegliedert ist, zu sehen ist, zeigt Arbeiten, die teilweise einen Besuch wert sind; allerdings macht es die Ausstellung an sich schwer, eine uneingeschränkte Empfehlung auszusprechen, denn der Großteil der Arbeiten wird in Containern präsentiert, wie sie üblicherweise auf Containerschiffen zur Verschiffung von Dingen Verwendung finden. Und es ist so schlimm, wie es klingt:
Üblicherweise ist es auf Medienkunstausstellungen recht laut. Jede Arbeit tönt, brabbelt, böllert, dudelt vor sich hin, den Besucher empfängt ein bunter Klangteppich, so auch in Karlsruhe, wo fast jede Arbeit ihren eigenen Container erhält, an dessen hintere Wand der Film projeziert wird, zwei Boxen geben den dazugehörigen Sound ab, zwei Papphocker laden den Betrachter, der zuvor über eine bequeme Stufe den metallenen, mit Teppich ausgelegten Kunstraum betreten hat, ein Platz zu nehmen.

Christoph Brech. Break. 2004. 1-Kanal-Video (Projektion oder Monitor). Farbe, Ton. Videostill. Courtesy Sammlung Goetz. © VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Und so sitzt er nun da, der Betrachter und schaut und spürt den Impuls die Containertür zu schließen, um die Arbeit hören zu können und nicht noch all die andern Kunstwerke, die auch noch da sind, aber das geht nicht, ist jedenfalls nicht vorgesehen. So hätten die Container vielleicht noch einen Sinn, der im Pressetext intendierte ist mehr als nicht überzeugend. “The Power of Motion” lautet der Untertitel der Ausstellung. Es geht um “die Macht der Bewegung und Beschleunigung…”. Es geht auch um “(u)nsere Gesellschaft – die sich fast ausschließlich und sogar noch zunehmend im fast-forward-Modus zu bewegen scheint”. Wir leben in einer Welt, “die durch ein hohes Maß an Mobilität geprägt ist: Globaler Warenhandel per Day-Trading, mobile Arbeitsplätze…” und mobile Kunsträume, so möchte man meinen. Der Container wird im kuratorischen Konzept zum Symbol für die “Schnittstelle von Dynamik und Globalität”.

Fiona Tan. Saint Sebastian. 2001. 2-Kanal-Videoinstallation mit freihängender Leinwand. Farbe, Ton. Videostill. Courtesy Sammlung Goetz. © Fiona Tan
Ein tolles Konzept, das sich die Kuratoren da ausgedacht haben, den Besucher zu stellen in einen Umschlagplatz der Medienkunst ODER ist es nicht vielmehr die Problematik des Ausstellungsraums an sich, der versucht wurde zu begegnen, dass die alte Munitionsfabrik mit den lichten Hallen, auch Lichthöfe genannt, sich eben nicht ohne weiteres eignet, Film und Video adäquat zu präsentieren? Was an den Rändern des Raumes den Arbeiten von u.a. Isaac Julien, Nathalie Djurberg, Mike Kelley, Marcel Odenbach und Julian Rosefeldt, zugute kommt – eigene Präsentationsräume -, bleibt den in der Mitte präsentierten verwehrt. Diese sind in den erwähnten scheinbar praktischen, kostengünstig auszuleihenden, konzeptuell aufgeladenen Containern untergebracht, die ein bisschen so wirken, als hätte das Budget nicht gereicht für etwas anderes, möglicherweise passenderes. Gegen die Metallboxen hätte ich gestimmt, ohne Alternativvorschlag allerdings, ich kenne die kuratorischen Probleme, die der Raum mit sich bringt, die kostengünstige Lösung mit dem scheinbar nachträglich übergestülpten Konzept, lasse ich mir als Ausstellungsbesucher allerdings nicht verkaufen, liebes Kuratorenteam.
Teil II folgt in Kürze…
Ach ja und die Art Basel 2010. Die hat wohl Julia von LesMads ausreichend ausführlich zusammengefasst.
Schlagworte: Art Basel 2010, Fast Forward, Karlsruhe, Sammlung Ingvild Goetz, ZKM

den satz mit dem sex habe ich 3 mal gelesen!