Jeder Text baut sich als Mosaik von Zitaten auf, jeder Text ist Absorption und Transformation eines anderen Textes. An die Stelle des Begriffs der Intersubjektivität tritt der Begriff der Intertextualität, und die poetische Sprache lässt sich zumindest als eine doppelte lesen.
“Für Julia Kristeva ist kein Text ein selbstgenügsames Gebilde; jeder Text besteht aus einem Bündel von Zitaten, ist ein Kreuzungspunkt anderer Texte und gibt für deren „Permutation und Transformation“ (Umstellung und Umwandlung) unter dem Einfluss seiner ideologischen Voraussetzungen den Schauplatz ab. Dabei umfasst der Begriff „Text“ nicht nur geschriebene Texte, sondern kulturelle Phänomene überhaupt, insofern sie Elemente einer Struktur sind. Ein solcher „Text“ ist somit nicht stabil und fest umrissen, sondern offen für Interpretationen, von denen keine Endgültigkeit beanspruchen kann. Bedeutung kann damit nicht mehr von einem Autor bzw. Schöpfer in einen Text hineingelegt werden, sondern wird erst von der Interpretation hervorgebracht, wobei der Interpret seinen eigenen Text natürlich genauso wenig kontrollieren kann wie der Verfasser des Ausgangstextes, so dass dieser Prozess der Semiose prinzipiell unendlich, ein Standpunkt außerhalb des Textes unmöglich ist.”
via Intertextualität – Wikipedia.
Vgl. auch dazu “Die Autorin Helene Hegemann hat abgeschrieben. Na und?” Feuilleton DIE ZEIT, 11.02.2010
Schlagworte: Axolotl Roadkill, Helene Hegemann, Intertextualität, Julia Kristeva
harold bloom hat da ja auch einiges an interessantem hinterlassen, über die literarische “anxiety of influence” – der sich jede/r autor/in unweigerlich stellen muss.
ich finde aber, das postmodernitäts/intertextualitäts-theorem hat bei hegemann nichts zu suchen. intertextualität ist nicht “buch auflschagen – passage mögen – passage abschreiben für eigenes buch”.
haha wikipedia?
Ohje, ich hoffe, es handelt sich hier nur um den Auftakt einer Auseinandersetzung mit dem Thema, oder soll die Wahl der Quelle in einer symbolischen Bedeutung als Beitrag zur Diskussion verstanden werden?
Nein. Kein Auftakt zu einer Auseinandersetzung. Um ehrlich zu sein, umtreibt mich das Thema dennoch und ich werde sicher noch dazu etwas schreiben, aber zu einem späteren Zeitpunkt. In die Hasstiraden in Sachen Helene Hegemann reihe ich mich sicher nicht ein. Ganz im Gegenteil. Doch soll zunächst ein bisschen Gras über die Sache wachsen. Nachdem sich die hitzigen Gemüter ausgetobt haben, ist vielleicht auch wieder Raum für eine ernsthafte Auseinandersetzung. Meiner Freude am Buch konnte bisher kein Plagiatsvorwurf etwas anhaben!
@ mahret: ein etwaiges lesevergnügen bzw. die literarische qualität vom buch sei ja gar nicht ausgeschlossen – was ich bloß meinte, aus literaturwissenschaftlicher perspektive, hier handelt es sich nicht um eine “spielerisch” eingesetzte intertextualität wie zb. in ecos “nome della rosa”, die ja dadurch um noch eine dimension reicher wird.
intertextualität als argument bzw. rechtfertigungstheorem gegen abschreibvorwürfe wie bei hh ist irreführend. das meinte ich bloß.
Nein, es ist sicher keine “spielerisch eingesetzte Intertextualität” und sicher ist es auch schwierig, den Begriff im Falle Helene Hegemanns anzuwenden. Dennoch möchte ich nicht von der Hand weisen, dass sie da irgendetwas gemacht hat, was man nicht einfach unter “Abschreiben” abstempeln kann. Ich habe Strobo nicht gelesen, ich kenne zwar die “kopierten” Textstellen, aber kann und will Helene nicht unterstellen, dass sie aus niederen Beweggründen einfach blind übernommen hat. Vielleicht bin ich auch nicht in der Lage, das Buch von einem irgendwie gearteten objektiven Standpunkt aus zu betrachten, weil es mir einfach nahe geht auf eine Weise, auf die mir Strobo möglicherweise nicht nahe gehen würde. Einzig gebe ich allen Recht. Es wäre schön gewesen, hätte Helene, auch wäre es nur auf der allerletzten Seite ihres Buches gewesen, den Leser auf ihre Quellen aufmerksam gemacht. Sonst kann ich an ihrer Art zu arbeiten nichts Verwerfliches entdecken. Soweit…